SdJ im Wandel der Zeiten – Teil 6 [1984] – Dampfross

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Auch 1984 hat die Jury keine leichte Aufgabe, da die Landschaft der Spiele in Deutschland (und auch international) noch immer sehr übersichtlich und spielerisch auf sehr niedrigem Niveau angesiedelt ist. International konnte man sich immerhin bereits über Spiele wie Wizard oder Sherlock Holmes Consulting Detective (bei uns später: Sherlock Holmes: Tatort London) erfreuen. Da sollte es für die Jury ein leichtes sein, den weit überschaubaren deutschen Spielemarkt im Blick zu behalten.

Vom Material überschaubar.

Das ist offenkundig aber nicht der Fall, zwar prämiert sie mit Dampfross ohne Zweifel ein prämierenswertes Spiel, jedoch ist das bereits 1979 hierzulande bei Blütehorn erschienen. Während in den vergangenen Jahren es absolut nachvollziehbar war, auf gut abgehangene Spiel zu setzen, wird es spätestens ab 1984 unglaubwürdig. Claim von Alex Randolph steht völlig zurecht auf der Nominierungsliste, die anderen Nominierungen sind jedoch ein Abbild der mangelnden Vielfalt in unserem Hobby. Metropolis von Sid Jackson ist spielerisch sicherlich hinter Claim das bemerkenswerteste Spiel, aber auch Netzwerk vom wohlbekannten (und geschätzten) KMW geht völlig in Ordnung. Bei Feuerwehr und Domingo darf man jedoch durchaus Zweifel haben.

Der bemerkenswerteste Titel 1984 ist Heimlich & Co, welcher 1985 nominiert und 1986 dann Spiel des Jahres werden sollte, ein Kuriosum was die Orientierungslosigkeit der Jury dokumentiert. Zwar hat die Jury langsam den Dreh raus, Spiele zu prämieren die aus heutiger Sicht ihrer Berechtigung haben, aber die Tendenz zu alt Bewährtem zu greifen und lieber Spiele auszugraben, die gerne auch mal älter sein dürfen, lässt doch ein wenig Zweifel an dem Preis und seiner Relevanz aufkeimen. Das Heimlich & Co für das Spiel des Jahres 1984 aus zeitlichen Gründen nicht in Frage gekommen ist, ist sicher nachvollziehbar. Weiterhin altgediente Spiele zu prämieren, wird langsam problematisch, ist aber angesichts des immer noch höchst überschaubaren Marktes durchaus noch zu verstehen. Gerade auch, wenn man bedenkt, dass die Jury strukturell sicherlich das Beste aus ihren Möglichkeiten macht und die Arbeit in der Jury zu dieser Zeit ein höchst zeitaufwändiges Hobby bisher ohne richtige Anerkennung ist.

Ewig bleibt die Jury mit solchen kleinen Kunstgriffen nicht glaubwürdig, jedoch ist sie natürlich auch darauf angewiesen, dass der Markt auch bemerkenswerte Spiele hervor bringt. Das langsam eine Entspannung eintritt, sieht man u.A. auch daran, dass ab 1985 die Nominierungsliste größer wird und die Vielfalt der Spiele Jahr für Jahr zunehmen wird. Zwar hat die Jury aus meiner Sicht nicht alles richtig gemacht, hat sich jedoch elegant aus der Affäre gezogen. Die zunehmende Anerkennung des Preises in der Gesellschaft ist ohne Zweifel höher zu bewerten als der Zwist darum ob dieses oder jenes Spiel den Preis mehr verdient hätte. So befindet sich die Jury 1984, erstaunlicher Weise wieder auf einem richtigen, wenn auch durchaus seltsamen Weg.

Attila

Über Attila

Ich Spiele alles. Von Kinderspielen über Euro-Games, jeder Komplexität, bis hin zu CoSim's. Potentiell gibt es kein Genre, was ich nicht spiele - das Spiel muss halt für mich in der entsprechenden Gruppe einen Reiz haben. Ich mag's gerne, wenn es was länger dauert und auch etwas komplizierter ist. Wenn nicht, auch gut.
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Ein Kommentar zu SdJ im Wandel der Zeiten – Teil 6 [1984] – Dampfross

  1. Peer sagt:
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    IIRC war erst die Perlhuhn-Ausgabe von Heimlich & Co nominiert (es waren ja häufiger Perlhuhn-Spiele auf der LIste) und die Jury wollte das nicht prämieren, weil der Verlag zu klein war und eine flächendeckende Verbreitung nicht gewährleistet werden konnte.
    Das könnte auch das Problem mit den Bütehorn- und Laurin- Ausgaben von Dampfross gewesen sein.

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