Neuheit 2018: Axis & Allies … und bitte was?

Als ich auf die kommende Neuheit „Axis & Allies & Zombies“ aufmerksam gemacht wurde, war meine erste Reaktion eine Mischung aus völligem Desinteresse und kindlicher Neugier. Wie das zusammen passt? – Ich weiß es selbst nicht mehr. Alleine der Name! Schlimm. Ein Verbrechen. Lächerlich! Mit einiger Überwindung habe ich mir die Sache dann angeschaut und musste überrascht zur Kenntnis nehmen, dass das Wenige was es bisher darüber gibt alles andere als lächerlich erscheint.

Beginnen wir bei der Grafik. Diese ist ganz klassisch gehalten und wenn das „& Zombies“ nicht in roter Schrift quer über dem A&A Schriftzug extrem auffallen würde, könnte man schnell drüber schauen, den prominent platzierten Zombie-Soldaten als  Gasmaske tragenden Soldaten missinterpretieren und zum Schluss kommen: „Ach, noch nen Axis & Allies“. Auf den zweiten Blick realisiert man das „& Zombies“, ordnet das Cover korrekt zu und dann fangen die Gehirnwindungen zu arbeiten an: „Axis & Allies, cool. Aber was zur Hölle soll das mit den Zombies?  Das kann ja wohl kaum ernst gemeint sein. Naja, das Cover ist zu gut gemacht für einen Scherz. Aber Zombies sind einfach lahm.“ Schaut man noch etwas genauer hin findet man noch den Hinweis „an alternate history edition for 2-5 players“ auf dem Front-Cover.

Schaut man jedoch auf die Rückseite der Schachtel findet man doch Informationen, die über die reine Ankündigung eines neues A&A Spiels hinaus gehen. Schaut man sich die Landkarte an, sieht man schon einige interessante Details. Die Karte entspricht vom Look dem, was man von einem A&A kennt und erwartet. Die Aufteilung der Gebiete ist detaillierter als A&A 1941 aber nicht ganz so detailliert wie A&A 1942. Russland hat mit 14 IPCs Starteinkommen weniger als das was man als Russlandspieler so gewohnt ist (und man ist ja schon wenig gewohnt). Auch die anderen Länder schwimmen nicht in Ressourcen:

  • Russland 14
  • Japan 15
  • UK 22
  • Deutschland 23
  • USA mehr als 27 (mein Tipp: 30)

Das entspricht etwa den doppeltem der Ressourcen, die man in A&A 1941 zur Verfügung hat. Nun sind die Ressourcen natürlich für sich genommen unerheblich, wenn man die Preise der Einheiten nicht kennt. Sind diese entsprechend skaliert, dann ändert sich für das gesamte Spiel natürlich nichts. Ein scharfer Blick unten rechts auf der Rückseite klärt das zweifelsfrei und bestätigt die Preise, die man als A&A Spieler seit Jahrzehnten kennt.

  • Infanterie 3
  • Artillerie 4
  • Panzer 5
  • Jäger 10
  • Bomber 12
  • U-Boot 6
  • Transporter 7
  • Zerstörer 8
  • Flugzeugträger ??
  • Schlachtschiff ??

Die Kosten von Flugzeugträger und Schlachtschiff werden sicher zwischen 12-14 (Flugzeugträger) und 16-20 (Schlachtschiff) liegen. Weitere Einheiten wie Kreuzer, mechanisierte Infanterie, taktische Bomber, etc. sind offenkundig nicht mit von der Partie. Auch gibt es keine AA-Guns und die Fabriken sind auf dem Plan aufgedruckt, dürften damit nicht zur Auswahl stehen, wenn es darum geht einzukaufen. Eine neue Einheit (in 3 Varianten) sind Zombies, welche als eine Art eigenständige Nation zählen, da sie eigene „Zombie-Nationen-Marker“ haben.

Weitere Kleinigkeiten, die man dem Foto entnehmen kann: Das Papiergeld kehrt zurück und neutrale Gebiete haben einen Produktionswert (so dass man sie irgendwie angreifen/erobern können muss). Des weiteren gibt es neben den normalen Kampfwürfeln, welche nun auf der 6er-Seite ein Zombie-Symbol haben (was sicherlich nicht nur Schmuck ist), auch  weitere 6-seitige Würfel, welche eine Art Fadenkreuz mit „A“ bzw. „D“ tragen. Zudem gibt es nun „Axis & Allies & Zombies Spielkarten“ und Technologien wie z.b. „Chainsaw Tanks“. Die Reihenfolge der Nationen ist dagegen altbekannt:

  • Russland
  • Deutschland
  • UK
  • Japan
  • USA

Der Spielablauf wurde um 3 Zombiephasen erweitert:

  • Play a Zombie??? (mein Tipp: Zombiecard)
  • Zombies Atta??? (mein Tipp: Attack)
  • Zombies Ca??? (mein Tipp: Capture Territories)

Gefolgt von dem fast altbekannten Ablauf von A&A

  • Combat Move
  • Conduct Combat
  • Non-Combat Move
  • Purchase Units (& Placement & Purchase Technology?)
  • Collect Income

Die signifikante Änderung hier ist, dass der Kauf von Einheiten nun nicht am Anfang der Runde  durchgeführt wird, sondern erst nachdem die Kämpfe entschieden wurden. Das ist eine Änderung, die unscheinbar aussieht, aber in meinen Augen durchaus massiv ist. Wie viel sie hier effektiv ausmacht und ob sie ggf. notwendig ist, hängt natürlich von der „Zombiekomponente“ ab, die man nur schwer beurteilen kann. Im „klassischen“ Axis & Allies ist es durchaus vorgesehen, dass man die Planung der Einheiten machen muss, bevor man den Ausgang der Kämpfe kennt. Das ist ein höchst relevanter Punkt der all zu oft der Schlüssel zum Sieg ist. Ich bin hier kritisch, lasse mich aber gerne überraschen.

Neben dem reinen Back-Cover-Foto, welches schon recht viel über das Spiel verrät, gibt es eine 5-minütige Game Preview von W. Eric Martin, die mehr ein Interview ist, als eine Preview, denn mehr als die Spiele-Schachtel bekommt man dort auch nicht zu sehen. Es wird ein wenig über Axis  & Allies und Zombies gesprochen und geklärt, dass das Spiel im Kern ein Axis & Allies ist. Zombies kommen als zusätzliches Spielelement ins Spiel, welches die Spieler behindert, da sie zufällig überall auftreten und sich gegen alle Spieler richten. Dazu wird am Anfang jedes Zuges eine Zombiekarte aufgedeckt, welche in einem zufälligen Gebiet Zombies ins Spiel bringt. Außerdem können Zombies auch ins Spiel kommen wenn Infanterie getötet wird (was mit den Zombiesymbolen auf den Würfeln zu tun haben könnte). Erscheinungstermin ist der 26. Oktober 2018.

Weiter erfährt man in der Game Preview, dass das Spiel auch als Erweiterung für A&A 1942 verwendet werden kann als auch, dass es ein spezielles 2-Spieler Einführungsszenario  enthält, welches A&A Neulingen den Einstieg leicht machen soll. Es gibt 3 Zombie-Miniaturen einen männlichen, einen weiblichen und einen Soldaten-Zombie. Ob die unterschiedlichen Minis eine Relevanz haben wird nicht geklärt, ich halte das aber für fraglich.

Soweit meine Bild & Video-Analyse von den wenigen Informationen, die es bisher über das Spiel gibt. Auf der einen Seite haben wir Axis & Allies, ein bekanntes und bewährtes System, welches speziell in einem historischen Setup seinen Reiz entfaltet, ohne dabei den Anspruch eine Simulation zu haben und sich doch fast so anfühlt. Auf der anderen Seite haben wir nun Zombies, welche mehr oder weniger zufällig auftauchen und für Chaos sorgen. Kein Land ist mehr sicher, da selbst hinter einer geschlossen Frontlinie Einheiten auftauchen können und einem das, was man eigentlich „beschützt“ (die IPCs der Gebiete) wegnehmen. Was ich davon spielerisch halten soll, weiß ich noch nicht so recht. Was mich anspricht genauso wie abstößt ist, dass es doch ein normales A&A ist. Einerseits hat es als A&A nichts, was man nicht eigentlich auch schon in der 2nd Edition schon hatte. Andererseits versprechen die Zombies dosierten Spaß ohne dass Axis & Allies dadurch vollends chaotisch wird. 60 Zombiekarten (=60 Gebiete???) sind ein Faktor, den es abzuschätzen gilt und im Laufe des Spiels könnten so Zonen entstehen, die kalkulierbar sind und damit das Spiel auf ein anderes Level heben.

Ich bin zwiegespalten aber durchaus positiv überrascht, denn von dem, was man bisher sehen kann, ist es wirklich eine ernst gemeinte Veröffentlichung, welche einen entsprechenden Produktionswert hat. Genau so wie ich es es von einem Axis & Allies auch erwarte. Die Rückkehr des Papiergeldes ist ein kleines Detail, welches ich bemerkenswert finde. Die Revised Edition von 2004 war das letzte reguläre A&A was Papiergeld hatte und es wird seit dem von vielen A&A Spielern schmerzlich vermisst (die Anniversary Edition hatte als Fan-Service nochmal Papiergeld). Ich nehme das als positives Zeichen und freue mich drauf. Bis Oktober wird es hoffentlich auch ein paar mehr Informationen geben, über die ich natürlich auch bloggen werde, falls es denn etwas Bloggenswertes ist.

Externe Quellen/Links:

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Über Attila

Ich Spiele alles. Von Kinderspielen über Euro-Games, jeder Komplexität, bis hin zu CoSim's. Potentiell gibt es kein Genre, was ich nicht spiele - das Spiel muss halt für mich in der entsprechenden Gruppe einen Reiz haben. Ich mag's gerne, wenn es was länger dauert und auch etwas komplizierter ist. Wenn nicht, auch gut.
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