Es geht nur ohne Rassismus und Fremdenfeindlichkeit!

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Auch wenn wir nach meiner Erfahrung in unserem Hobby wenig Kontakt mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben, sollten wir nicht vergessen das wir in einer Zeit leben in der Toleranz, Weltoffenheit und Freiheit lange nicht mehr überall ein so hohes Gut ist, wie es sein sollte. Mitten unter uns demonstrieren Menschen, einem Mob gleich, dafür Menschen im Mittelmeer „absaufen“ zu lassen. Lange sind es nicht mehr vereinzelte „verirrte“, es hat längst bedrohliche Ausmaße angenommen.

Entgegen jeglicher Menschlichkeit, fordern Politiker unmenschliches und hetzen gegen alles Fremde. Und es scheint nicht genug zu sein die Augen vor der menschenverachtenden Vergangenheit zu verschlieseen und sie als „Fliegenschiss“ zu bezeichnen, einige gehen weiter und glorifizieren diese Zeit, daß einem die kalte Kotze hochkommt.

Möglicherweise ist diese Aktion ein „Fliegenschiss“ gegen den bestehenden Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, aber jeder „Schiss“ gegen solche Menschen ist ein guter „Schiss“. Und vielleicht sind wir genügend „Fliegen“ um ein kleines bisschen zum umdenken zu bewegen.

Aus Hass, Gewalt und Krieg ist in den letzten 4000 Jahren wenig gutes entsprungen. Das sollte sich jeder vor Augen halten, dann wäre die Welt ein kleinen Schritt weiter.

Deswegen eine ganz klare Aufforderung an alle Leser: Duldet keinen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit am Spieletisch und auch abseits davon. Schreitet ein, lasst „dumme Sprüche“ nicht einfach stehen. Demaskiert diese auf dem Fuß, zeigt das ihr damit nicht einverstanden seid und bildet einen Gegenpol bevor „schweigende Einigkeit“ entsteht. Mund auf für Toleranz, Menschlichkeit und Weltoffenheit!

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Schleichwerbung …

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Eine kleine News in eigener Sache, da ich nun mit Thomas C. einen Podcast aufgenommen habe, welcher nun „in Serie“ gehen soll. In Brettalert sprechen wir über alles was uns Rund um Brettspiele beschäftigt, was uns aufregt was nicht und alles was es unser Hobby so speziell macht. Hört mal rein, ob ihr es mögt oder nicht, hinterlasst gerne euren Kommentar auf http://www.brettalert.de oder auf Twitter an @Brettalert.

Hier geht es zur ersten Folge „Messemuffel“: http://www.brettalert.de/2018/10/07/brettalert-folge-1-messemuffel/

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SdJ im Wandel der Zeiten – Teil 6 [1984] – Dampfross

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Auch 1984 hat die Jury keine leichte Aufgabe, da die Landschaft der Spiele in Deutschland (und auch international) noch immer sehr übersichtlich und spielerisch auf sehr niedrigem Niveau angesiedelt ist. International konnte man sich immerhin bereits über Spiele wie Wizard oder Sherlock Holmes Consulting Detective (bei uns später: Sherlock Holmes: Tatort London) erfreuen. Da sollte es für die Jury ein leichtes sein, den weit überschaubaren deutschen Spielemarkt im Blick zu behalten.

Vom Material überschaubar.

Das ist offenkundig aber nicht der Fall, zwar prämiert sie mit Dampfross ohne Zweifel ein prämierenswertes Spiel, jedoch ist das bereits 1979 hierzulande bei Blütehorn erschienen. Während in den vergangenen Jahren es absolut nachvollziehbar war, auf gut abgehangene Spiel zu setzen, wird es spätestens ab 1984 unglaubwürdig. Claim von Alex Randolph steht völlig zurecht auf der Nominierungsliste, die anderen Nominierungen sind jedoch ein Abbild der mangelnden Vielfalt in unserem Hobby. Metropolis von Sid Jackson ist spielerisch sicherlich hinter Claim das bemerkenswerteste Spiel, aber auch Netzwerk vom wohlbekannten (und geschätzten) KMW geht völlig in Ordnung. Bei Feuerwehr und Domingo darf man jedoch durchaus Zweifel haben.

Der bemerkenswerteste Titel 1984 ist Heimlich & Co, welcher 1985 nominiert und 1986 dann Spiel des Jahres werden sollte, ein Kuriosum was die Orientierungslosigkeit der Jury dokumentiert. Zwar hat die Jury langsam den Dreh raus, Spiele zu prämieren die aus heutiger Sicht ihrer Berechtigung haben, aber die Tendenz zu alt Bewährtem zu greifen und lieber Spiele auszugraben, die gerne auch mal älter sein dürfen, lässt doch ein wenig Zweifel an dem Preis und seiner Relevanz aufkeimen. Das Heimlich & Co für das Spiel des Jahres 1984 aus zeitlichen Gründen nicht in Frage gekommen ist, ist sicher nachvollziehbar. Weiterhin altgediente Spiele zu prämieren, wird langsam problematisch, ist aber angesichts des immer noch höchst überschaubaren Marktes durchaus noch zu verstehen. Gerade auch, wenn man bedenkt, dass die Jury strukturell sicherlich das Beste aus ihren Möglichkeiten macht und die Arbeit in der Jury zu dieser Zeit ein höchst zeitaufwändiges Hobby bisher ohne richtige Anerkennung ist.

Ewig bleibt die Jury mit solchen kleinen Kunstgriffen nicht glaubwürdig, jedoch ist sie natürlich auch darauf angewiesen, dass der Markt auch bemerkenswerte Spiele hervor bringt. Das langsam eine Entspannung eintritt, sieht man u.A. auch daran, dass ab 1985 die Nominierungsliste größer wird und die Vielfalt der Spiele Jahr für Jahr zunehmen wird. Zwar hat die Jury aus meiner Sicht nicht alles richtig gemacht, hat sich jedoch elegant aus der Affäre gezogen. Die zunehmende Anerkennung des Preises in der Gesellschaft ist ohne Zweifel höher zu bewerten als der Zwist darum ob dieses oder jenes Spiel den Preis mehr verdient hätte. So befindet sich die Jury 1984, erstaunlicher Weise wieder auf einem richtigen, wenn auch durchaus seltsamen Weg.

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Vergessene Perle: Tacara

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Tacara mit Seefahrererweiterung

Damals, in den „guten alten Zeiten“, als Eggert-Spiele noch winziger Kleinverlag war, der mit kreativen Ideen überzeugte, kam von diesem Verlag ein einfaches, aber sehr gelungenes Autorennspiel aus dem Jahre 2001: Tacara 

Tacara überzeugt dadurch, dass es nicht mit Würfeln oder Karten die Autos antreibt, sondern die Autos werden über eine Art „Geschwindigkeitsvektor“ angetrieben, ähnlich wie es bei Bolide von Ghenos aus dem Jahre 2005 auch funktioniert. Zentraler Punkt des Rennspiels ist die Vorausplanung der Spielzüge über mehrere Spielrunden hinweg. Anders als bei den allermeisten Rennspielen, ist das „um die kurve Fahren“ nicht obligatorisch, weil Bestandteil der Rennstrecke. Dadurch, dass die Bewegung des Wagens über einen Bewegungsvektor abgebildet wird, den man nicht willkürlich festlegen kann, sondern den man Runde für Runde nur etwas anpassen kann, geht das Spiel nicht so leicht von der Hand wie ähnliche Spiele mit Karten oder Würfeln als Antrieb.

Um der – auch 2001 schon bekannten Analyse Paralyse – etwas vorzubeugen, sieht die Regel eine dem Schach entliehene „berührt-geführt“ vor, welche man auch in der Erstpartie konsequent anwenden sollte. „Rumprobieren“ und „ach ne, ich mach den Spielzug nochmal ganz anders“ ist pures Gift für den Spielspaß. Gleiches gilt, wenn die Spieler 7 Minuten für einen Spielzug benötigen.

Das Spiel ist heute nur noch schwierig zu bekommen, aber ab und an findet man noch ein bezahlbares Exemplar. Definitiv eine kleine Perle aus der „kreativen Phase“ von Eggert-Spiele.

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Spiel18-Watch: Majolica – Azul reloaded?

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Majolica ist mir eigentlich nur aus einem Grund aufgefallen. Schaut euch das Cover an und sagt mir bitte, dass ihr nicht an Azul erinnert werdet. Bis auf den Namen und das Cover gibt es wirklich aktuell nichts über das Spiel, außer dass sich die blah-blah-Spielbeschreibung exakt wie Azul anhört. Da stellt sich die Frage: Ist es ein dreister Abklatsch, eine signifikante Verbesserung oder hat es ggf. überhaupt nichts mit Azul gemein (bis auf das Cover).

Alleine um das aufzuklären muss ich es mir genauer anschauen. Ich erwarte aber ehrlich gesagt lediglich einen Trittbrettfahrer zum aktuellen Spiel des Jahres. Was meint ihr?

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Spiel18-Watch: Neuer Stoff von den „Kleinen“

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Aufgrund der kleinen Pause aus der letzten Woche, werfe ich den Blick auf ein paar mehr Neuheiten, die es ggf. wert sind auf der Messe unter die Lupe genommen zu werden. Spiele von kleinen Verlagen oder Kleinstverlagen bieten nicht selten Ideen, welche man bei „den Großen“ eher selten finden. Zwei „self published“ Spiele haben heute mein Interesse geweckt.

Zum einen Equity wird als experimentelles Wirtschaftsspiel beschrieben und kommt in einer schicken Holzkiste mit entsprechendem Spielmaterial. Die Beschreibung ist typisch wage und ohne Regelwerk oder Erklärung lässt sich dazu nicht viel mehr sagen. 70 Euro sind sicherlich dem hochwertigen Material und einer kleinen Auflage geschuldet. Ich hoffe, dass man es sich in Essen anschauen kann.

Das zweite Spiel aus der Kategorie „self published“ ist Four Elements, bei dem man Spielsteine über den Spieletisch „flippt“. Ich mag nicht generell alle „Flippspiele“, aber je nachdem können sie mich durchaus überzeugen. Four Element scheint mit wenig Regeln aus zu kommen und hat einen hohen Aufforderungscharakter, so dass ich dem Spiel definitiv eine Chance geben werde.

Spieleneuerscheinungen aus dem Osten Asiens, sind immer für eine Überraschung gut. Manche sind noch Rohdiamanten, manche sind aber auch schon ordentlich rund. Airship City macht auf mich durchaus den Eindruck, dass es ein sehr ordentliches Spiel sein kann. Von der Regel macht es einen grund-soliden Eindruck, die Optik und das Thema spricht mich an. Ob es mich überzeugt, werde ich dann sehen. Ich habe aber durchaus einige Hoffnungen.

Auch das letzte Spiel ist von Autoren aus dem fernen Osten: Über Athens gibt es leider noch nicht ganz so viele Informationen. Grafisch mehr als ordentlich und es soll Deck-Building eine weiteren Aspekt hinzufügen und gleichzeitig kein reinrassiger Deck-Builder sein. Das muss man sich freilich mal genauer anschauen.

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Geschick & Taktik: Affentennis

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Conners vs McEnroe?

Das Spiel der Woche ist dieses Mal wieder ein Spiel, bei dem es nicht nur um Taktik und Strategie geht, sondern auch  das Geschick eine Rolle spielt. Affen-Tennis simuliert ein Tennisspiel erstaunlich akkurat. Gespielt wird im Grunde nach den Tennis-Regeln wobei die Schläger durch kleine „Flitschen“ (kennt man das Wort außerhalb des Rheinlands überhaupt) ersetzt werden, mit dem der Ball über das Spielfeld geschossen wird.

Schmetterschlag, Volley-Block und Loop erfordern entsprechendes Geschick aber nach kurzer Einspielzeit, hat man als auch als Neuling ausreichen Skills aufgebaut, das man nach kurzer Zeit anfängt mutiger zu werden und herausfordernde Spielzüge versucht sowie auch taktische Finessen in seine Spielzüge einbaut.

Das Spielmaterial ist dabei einerseits funktional simpel gehalten (Holzblöcke / Stäbchen) andererseits sind die Bullyland-Figuren auf dem roten Filz sehr charmant und haben einen hohen Aufforderungscharakter, der bei Groß wie Klein zuverlässig seine Wirkung erzielt.

Die Erstauflage mit 100 Exemplaren war 2006 schnell vergriffen, weitere Auflagen mit 500 und 1000 Exemplaren sind inzwischen auch längst ausverkauft. Affentennis ist in jeder Spielesammlung ein ungewöhnliches Spiel, und es wird früher oder später immer wieder von jemanden im Regal entdeckt (alleine aufgrund der ungewöhnlichen Verpackung) und führt dann zu intensiven Duellen.

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SdJ im Wandel der Zeiten – Teil 5 [1983] – Scotland Yard

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Eine aktuelle Edition

Die ersten Jahre seit dem SdJ 1979 kann man treffend unter dem Titel „an arduous beginning“ zusammen fassen – zumindest was den deutschen Spielemarkt angeht. 1983 hätte so belanglos wie die vorherigen Jahre werden können, die Spiel des Jahres Jury hat lediglich 4 Spiele auf die Auswahlliste gesetzt und zusätzlich 2 Spiele prämiert. Das ist gerade mal die Hälfte dessen, was man in den Vorjahren gewohnt war. Vermutlich war auch die Jury es überdrüssig in alten Jahrgängen zwanghaft nach Spielen zu suchen, die auch nur ansatzweise auf die Auswahlliste gehören und damit auch gerne mal Spiele auszuwählen, die schon im Vorjahr auf der Liste standen.

Über die 4 Titel auf der Auswahlliste braucht man kaum mehr Worte verlieren, als diese der Vollständigkeit halber zu nennen: „Bärenspiel“, „Der schwarze Prinz“, „Fuzzi, Heinz und Schlendrian“ und „Riombo“ sind allesamt nicht die spielerische Offenbarung weder heute, noch im Jahre 1983. Auch an den Sonderpreis „Wir füttern die kleinen Nilpferde“ kann sich heute, völlig zurecht, kaum jemand mehr erinnern und dem auch damals schon behäbigen Roll & Move Mechanismen kann auch heute kaum jemand etwas abgewinnen. Wäre der Artikel hier zu Ende, wäre das sicherlich das „dunkelste Kapitel“ des SdJ, jedoch ein Geniestreich von einer Reihe von Autoren (BGG listet gleich 6 Autoren für dieses Spiel) rettet nicht nur ganz sicher das Spiel des Jahres 1983, sondern stellt ganz sicher auch die Weichen dafür, dass Gesellschaftsspiele in den kommenden Jahren mehr Akzeptanz in der Masse bekommen. Die Jury liegt mit Scotland Yard goldrichtig, denn auch heute ist das Spiel noch höchst spielenswert und wurde vielfach, im Grunde unverändert, neu aufgelegt. Schaut man sich die Neuerscheinungen 1982/1983 an, sieht man jedoch auch, dass die Jury gar keine andere Wahl hatte. Scotland Yard ist im Grunde das Eine von zwei erwähnenswerte Spielen in diesem Jahr. Take it Easy sollte es erst 1994 in Deutschland auf den Markt kommen.

International gab es auch nur wenige, aber durchaus bemerkenswerte Spiele: Mit Ambush! und Up Front! sind zwei bemerkenswerte Konfliktsimulationen erschienen. Ebenso ist Empire in Arms sicherlich den Fans von Monsterspielen auch heute noch ein Begriff. Auch deswegen, da es 2007 als Computerspiel released wurde.

Unter dem Strich war es mehr Zufall oder Schicksal, das ausgerechnet so ein schwacher Jahrgang wie 1983 einen Wendepunkt in der deutschen Spieleszene darstellt. Die SdJ Jury macht alles richtig und nimmt das einzig mögliche Spiel und packt den „Pöppel“ drauf. Sowohl der SdJ eV wie auch die gesamte Spielebranche wird in den nächsten 10 Jahren hiervon profitieren. Und auch 2018 ist Scotland Yard ein Spiel was noch fasziniert.

Ein weiterer „Zufall“ soll 1983 eine Dynamik in die deutsche Spielelandschaft bringen, welche bis heute anhält: Das erste Mal treffen sich auf den Internationalen Spieletagen in Essen begeisterte Spieler – eine Veranstaltung, die wir heute schlicht als „Spiel“ kennen und wohl nicht wenige von uns fiebern diesem Ereignis Jahr für Jahr entgegen.

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Spiel18-Watch: Europa Universalis

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Europa Universalis steht zwar auf der BGG Neuheitenliste für die Spiel18, aber auf BGG wird 2019 als Jahr der Publikation genannt. Die Brettspielumsetzung dieses legendären Computerspiels (was das Brettspiel Europa Universalis von 1993 als Vorbild hatte) ist sicher nicht nur von mir ein seit Jahren lang erwartetes Ereignis, gerade weil es sich hervorragend für eine Brettspielumsetzung eignet. Die „Kunst“ daran wird sein, den recht großen Verwaltungsaufwand mit geeigneten Mechanismen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Dabei ist es interessant zu sehen, ob das Spiel das alte Brettspiel von 1993 in überarbeiteter Form wieder auflegt oder ein eigenständiges Spiel, was das Computerspiel als Basis hat. Ich hoffe auf letzteres und auf eine Demo auf der Spielemesse, wenn gleich ich es eigentlich nicht wirklich glauben kann. Wenn ich EU auf der Messe sehe, werde ich es mir mit größtem Interesse anschauen.

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Mehr als Spiele: Spieletisch oder ein Tisch auf dem man spielt?

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Ein Tisch

Ein Spiel jagt das nächste und vor lauter Neuankündigungen für die Spiele Messe im Oktober vergisst man schnell, das zum Spielen mehr gehört als nur ein Spiel. Dass die Spiele auch irgendwie verstaut werden müssen und dass Baumärkte und Möbelhäuser uns dabei durchaus helfen können, habe ich ja im letzten Beitrag dieser Reihe besprochen. Nun widme ich mich dem Möbelstück auf dem 99% aller Spiele gespielt werden: Auf dem Tisch.

Angefangen haben wir alle mal mit einem normalen Küchentisch, ggf. auch mit einem Wohnzimmertisch, der sich allerdings sicher, als auf die Dauer zu klein und vor allem als zu unbequem heraus gestellt hat. Ein Tisch mit einer angenehmen Sitzhöhe, an dem man dauerhaft aufrecht und bequem sitzen kann (bequeme Stühle voraus gesetzt) ist das A und O eines jedes Spieleabends. 3 Stunden gebückt am Wohnzimmertisch? No Way!

Erstes Grundproblem des geneigten Brettspielers: Spiele brauchen Platz. Viel Platz. Teilweise sehr viel Platz. Mit etwas Disziplin und geeigneten Utensilien (anderes Thema 🙂 ) kann man auf beengten Spielflächen noch etwas raus holen, aber spätestens wenn man Railroad Tycoon/Railways of the World auspackt, reicht es in aller Regel auch nicht mehr aus, dass der Küchentisch ausziehbar ist. Da weicht man dann gerne auf einen Esstisch aus. Die sind i.d.R. breiter und sind schließlich dafür gedacht, dass dort ordentlich etwas abgestellt wird. Bis auf wirklich spezielle Spiele, lässt sich damit der Bedarf an Platz ausreichend decken. Je nach gewähltem Tisch, ist dieser reichlich ausziehbar. Im Prinzip gilt für einen Spieletisch: The bigger, the better. Zu groß muss schon verdammt groß sein. Wenn man nicht nur Skat spielt, gibt es halt kein „zu groß“. Irgendwie schafft man es immer die zur Verfügung stehende Fläche zu benutzen.

Die Auswahl an ansprechenden Esstischen (Dining Table) ist gigantisch. Jedes Möbelhaus hat dutzende oder hunderte an unterschiedlichen Tischen. Für jeden Zweck, für jeden Geldbeutel und für jede Designvorstellung. Man kann sich sehr lange damit beschäftigen den „richtigen“ Tisch zu finden. Nicht weil es ihn nicht gibt, sondern weil die Vielfalt einfach exorbitant ist. Ich bin mir sicher, dass der ein oder andere seine Esstischauswahl mit dem Gedanken im Hinterkopf getroffen hat, dass dort auch verstärkt Brettspiele drauf gespielt werden soll.

Verbringt man viel Zeit am Spieletisch, steigt nicht nur das Verlangen nach „guten“ Spielen, man wird mit der Zeit ja automatisch wählerischer, sondern der Anspruch an das „drumherum“ steigt durchaus auch. Wenn man so viel Zeit am Tisch verbringt, zusammen mit Menschen, die man schätzt und mag (sage ich jetzt mal so), dann darf es auch komfortabel sein. Das ist die „Bresche“ in die diverse Anbieter von Brettspieltischen versuchen zu schlagen. Die Idee eines Brettspieltisches ist nicht neu, es gibt verschiedene Hersteller, die teilweise schon seit vielen Jahren Tische für Brettspieler produzieren.

Seit vielen Jahren gibt es z.B. auf der Spielemesse in Essen bei der Fairplay einen Tisch, der mit dem Slogan „Der beste Spieletisch der Welt“ beworben wurde. Nicht, dass ich dem jemals beigepflichtet hätte, aber das zeigt, dass das Thema Spieletisch keine „Modeerscheinung“ ist, sondern dass es uns Spieler eigentlich interessiert, seit dem wir spielen. Während der oben genannte Tisch relativ einfach ist, und eigentlich nur die Form der Tischplatte die Besonderheit darstellt, bieten aktuelle Tische ein wenig mehr Besonderheiten, die auf Brettspieler zugeschnitten sind.

Ein Cellar

Das wichtigste Merkmal ist sicher der „Cellar“, ein quasi im Tisch eingelassener Bereich, in dem eigentlich gespielt wird. Die Idee stammt wohl ursprünglich von umrahmten „Spieleauflagen“ die mit einer 1-5cm hohen Umrandung versehen wurden, die effektiv verhindern das Spielmaterial unbeabsichtigt vom Tisch fällt. Rein funktional gehalten, sind diese relativ schmal (1-2cm) und sind für den Spieler jedoch u.U. auch etwas hinderlich, da man immer über die Umrandung greifen muss. Für Tabletops, wo man gerne beim Spielen steht und um den Tisch herum geht ist das kein Thema, sitzt man jedoch beim Spielen, kann das schon ein wenig störend sein. Bei einem Cellar wird diese Idee jedoch aufgegriffen und in einen Tisch integriert. Die Umrandung ist dann natürlich Bestandteil des Tisches und entsprechend breit gewählt, so dass man z.B. dort bequem die Arme ablegen kann. Die Tiefe dieses „Cellar“ ist meist 5-10cm, was deutlich mehr ist als bei den klassischen Spielauflagen. Aber auch das hat verschiedene Gründe: Spieletische sind in der Regel ein wenig (2-5cm)  höher als ein typischer Esstisch, dadurch, dass der Cellar im Tisch abgesenkt ist, hat man einen etwas veränderten Blick auf das Spiel, das ist auf dem Papier scheinbar vernachlässigbar, und man glaubt es meistens erst, wenn man es selbst ausprobiert hat, aber das ist ein Effekt der äußerst angenehm ist, da komplexe Angelegenheiten auf dem Tisch dadurch wirklich übersichtlicher werden. Glaubt ihr nicht? Probiert es aus!

Oft ist der „Cellar“, da er ja den Kern eines jeden Spieletischs darstellt, mit weiteren „Features“ versehen. Eine Filzauflage, LED-Beleuchtung oder auch eine Plexi-Glasscheibe sind oft nützlich und komfortabel und man will es nicht mehr missen wurde man erst einmal infiziert.

Bei eigentlich allen Spieletischen mit Cellar lässt sich dieser Abdecken und macht auf dem Spieltisch dann einen Esstisch. Je nach Modell und Hersteller, besteht das aus 1 oder 2 großen Abdeckplatten (Tischplatten) oder aus mehreren kleinen „Lamellen“.

Platz für Plunder

Ein weiteres, brettspielspezifisches, Problem wird mit diesen Tischen angegangen: Was tun mit Knabberrein, oder gar Getränken am Spieletisch? Je nachdem sind die entweder verboten (ja, sowas gibt es) oder werden auf eigene Beistelltische gestellt oder werden meist wohl einfach mit auf den Spieletisch gestellt. Je nach Spiel und Besitzer ist der Aufschrei dann groß, wenn mal ein Glas umkippt – was zwangsläufig irgendwann passiert. Die allermeisten Spieletische adressieren auch dieses „Problem“. Dazu bieten sie Getränkehalter und/oder Ablageflächen, die man in irgendeiner weise am Tisch befestigen kann. Das ist mal mehr oder weniger elegant aber dafür immer effektiv gelöst. Von einfachen Ablagen bis hin zu speziellen Weinglas-Haltern oder Tablett-Haltern gibt es da eigentlich für jeden Zweck passende Halterungen.

Auch als Hex …

Natürlich bieten die Spieletische aller Hersteller noch mehr: Schubladen, Bluetooth-Soundsystem, LED Beleuchtung, partielle Abdeckungen (um die Größe des Cellar zu variieren), Pokerauflagen, integrierte Würfeltürme, und was weiß ich noch alles. Die beiden zentralen Punkte sind in meinen Augen aber der extra Spielbereich, der die Übersichtlichkeit erhöht,  und die strikte Trennung zwischen Spielezubehör und nicht-Spielezubehör (Getränke, etc), was die Anschaffung eines Spieletisches rechtfertigt. Die Tatsache, dass sie eine Variante eines Esstisches darstellen war für mich auch einer der ausschlaggebenden Punkte.

Die allermeisten mit denen ich über Spieletische gesprochen habe stören sich am Preis. Ja, je nachdem muss man mit einer mittleren 4-stelligen Summe rechnen und es ist jedem frei gestellt sich zu überlegen was er mit seinem Geld kauft und was er bleiben lässt. Keine Frage, es sind Luxustische, und die Frage „brauch ich das“ ist durchaus valide, kann aber nur individuell von jedem selbst beantwortet werden (rein objektiv brauchen wir in Deutschland 95% der Dinge die wir besitzen nicht).

Für mich gehört das „drumherum“ beim Spielen inzwischen ohne Wenn und Aber zur Spielekultur dazu. Klar, man kann auch auf einer Euro-Palette in der Garage spielen, aber ist es das gleiche? Für mich definitiv nicht. Es geht mir lange nicht mehr nur darum was ich spiele, sondern es geht mir auch immer mehr darum wie und schon immer mit wem.

Wie wenig ein Conan-Full-Pledge doch ist …

Ich habe mich 2015 auf der Messe in einen Tisch von Rathskellers verliebt und ihn mit „allem was geht“ (BT, LED, Getränkehalter, Spielablagen, Plexiglas, Schubladen, Pokerauflage, etc) geordert, schließlich kauft man so einen Tisch nicht zweimal im Leben. Dachte ich da zumindest. Ein Jahr später ist dann für mein Spielezimmer (der erste Tisch war für das Wohn/Esszimmer) eine Hexagon-Variante dazu gekommen, die als reiner Spieletisch für 6 Personen einfach ’nen Traum ist. Ich bin mit beiden Tischen äußerst zufrieden, sowohl funktional, als auch die Verarbeitung ist auf absolutem Top-Niveau. Als unser Schreiner den Tisch gesehen hat, war er absolut begeistert sowohl von der Verarbeitungsqualität wie auch von den vielen kleinen Details und auch von der Tatsache das es 100% Echtholz (Rathskellers verwendet ausschließlich europäische Eiche als Holz). Wer Wert auf Individualität und Qualität liegt, ist bei Rathskellers definitiv an der richtigen Adresse. Wer den Geldbeutel schonen möchte und dafür auf Qualität und individuelle Wünsche verzichten kann, wird auch bei einem anderen Hersteller einen Tisch bekommen, ohne den er einfach nicht mehr spielen möchte. Es gibt auch zahlreiche DIY-Projekte welche mit kleinem Budget Großes erreichen – handwerkliches Geschick vorausgesetzt.

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