SdJ im Wandel der Zeiten – Teil 2 [1980] – Rummikub

1+

Kummikub gibt es auch im edlen Koffer

Nach dem das SdJ 1979 uns einen tiefen Blick in die Abgründe der deutschen Spielekultur erlaubt hat, schauen wir heute, was sich in dem Jahr getan hat. Rummikub (Autor Ephraim Hertzano) war 1980 zwar mehr oder weniger eine Neuheit auf dem deutschen Markt, das Spiel gibt es aber bereits seit den 1930er Jahren, wurde 1977 dann aber als industriell gefertigtes Spiel vertrieben (vorher hab es nur einzelne handgefertigte Exemplare).

Das Spiel hat Ähnlichkeiten mit Okey (ein traditionelles Spiel aus dem mittleren Osten), was selber Ähnlichkeiten mit Rommé hat, was bereits im 18ten Jahrhundert große Verbreitung gefunden hat. So gesehen ist das SdJ 1980 in der Tat ein Spiel, von dem man mit Fug und Recht behaupten kann, dass es die Spielekultur geprägt hat. Nur halt schon lange bevor es SdJ geworden ist. Ein zeitloser Klassiker, der auch ohne den SdJ Pöppel heute und in Zukunft große Verbreitung hätte. Nur Möglicherweise nicht in Deutschland.

Mit Rubiks Cube (bei uns nannte man das Ding schlicht „Zauberwürfel“), dem „Spiel“ Spiel (was kein Spiel ist, sondern ein Spiel-bau-Kasten) und Heiße Spur (wieder mal ein Elektronik-Gadget) finden sich auch hier rein formell fragwürdige Titel auf der Auswahlliste bzw. bei den Preisträgern (Spiel und Rubiks Cube haben Sonderpreise bekommen). Das sich langsam etwas bewegt auf dem Deutschen Markt sieht man aber an anderen Titeln.

Mit Niki Laudas Formel 1 von Wolfgang Kramer (und ganz ehrlich, wer ihn jetzt nicht kennt, spielt bitte erstmal: El Grande, Pepper, 6 Nimmt, Torres, Tikal, Die Fürsten von Florenz, Paläste von Carrara, uvm.), treffen wir hier erstmalig auf diesen Autor dessen Namen man sich merken sollte.  Bemerkenswert aus heutiger Sicht ist die Tatsache, dass Wolfgang Kramer auf dem Cover nicht genannt wurde (ich bin mir auch nicht ganz sicher ob er in der Regeln schon genannt wurde). Noch als Merchandisingspiel getarnt, ist hier die erste zarte Pflanze dessen zu erkennen, was wir heutzutage als „Eurogame“ (zwischendurch auch mal als „German Game“) bezeichnen.

Der zweite nicht nur spielerisch bemerkenswerte Titel auf der Auswahlliste ist Dampfross von David G. Watts. Eine aktuelle Neuerscheinung, die für den deutschen Markt lokalisiert wurde, über die wir bald wieder sprechen werden. Genau so, wie wir schon im nächsten Teil über Focus, ein Spiel aus dem Jahre 1963 von Sid Jackson, sprechen werden. Diese beiden Titel zeigen wie beschränkt der Spielemarkt in Deutschland in den Anfangsjahren des SdJ gewesen ist. Zwar sieht man langsam etwas Bewegung, aber noch setzt die Jury auf bereits Bewährtes. Spiele, die schon woanders gezeigt haben, das sie akzeptiert werden. Spiele, die das noch nicht beweisen konnten, bleibt erstmal die Auswahlliste vorbehalten. Da nimmt man lieber nochmal einen 17 Jahre alten Schinken und setzt ihn auf die Liste als einen aktuellen Titel wie Can’t Stop (der dafür später zwei Jahr in Folge auf der Auswahlliste stehen wird).

1980 war international kein schlechter Jahrgang. Große Klassiker wie wie Dune, Civilization, Magic Realm oder das legendäre Titan stammen aus diesem Jahrgang. Genauso wie Um Reifenbreite (was wir mehr als 10 Jahre später wieder treffen werden) oder das bereits erwähnte Can’t Stop weitere erwähnenswerte Titel darstellen. Titel wie Epaminondas oder Galaxis (beides abstrakte 2-Personen Spiele) gehören jetzt eher auf eine Kuriositätenliste als auf eine Auswahlliste.

Unter dem Strich lässt sich bereits erkennen, dass der deutsche Spielemarkt positiv reagiert, nach einem Jahr quasi aus dem nichts, lassen sich bereits Tendenzen erkennen, dass nicht jedes Spiel erst „abgehangen“ auf den deutschen Markt kommt, sondern die lokalen Erscheinungen näher am „Puls der Zeit“ sind. Die Verlage werden langsam mutiger und die Spielerschaft darf sich über insgesamt mehr Erscheinungen freuen. In einer Welt, die noch nicht global vernetzt ist, ein wichtiger Schritt für alle beteiligten. Aufgrund des enormen Nachholbedarfs kann man auch das SdJ 1980 kaum wirklich kritisieren, was sich aber bereits ein Jahr später ändern soll.

Externe Quellen / Links:

Attila

Über Attila

Ich Spiele alles. Von Kinderspielen über Euro-Games, jeder Komplexität, bis hin zu CoSim's. Potentiell gibt es kein Genre, was ich nicht spiele - das Spiel muss halt für mich in der entsprechenden Gruppe einen Reiz haben. Ich mag's gerne, wenn es was länger dauert und auch etwas komplizierter ist. Wenn nicht, auch gut.
Dieser Beitrag wurde unter attila-products, Brettspiele abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.