Zivilisation im Handelsgewand – Age of Renaissance

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Heute gehen wir in das Jahr 1996 und zu Age of Renaissance von Don Greenwood und Jared Scarborough erschienen bei Avalon Hill und Hierzulande dann 1999 von Eurogames/Descartes unter dem Titel Das Zeitalter der Renaissance auf den Markt gebracht. An Age of Renaissance scheiden sich die Geister. Für die einen ist es ein unspielbarer Regel-Moloch dazu ungerecht, zufällig und ohne jeglichen Spielspaß. Für die anderen ist es ein Jahrhundertspiel, was Seinesgleichen sucht.

Das „bessere“ Civilisation?

Die Wahrheit liegt sicher dazwischen, aber auch ich bin Anhänger der zweiten Gruppe. Lange Spielzeiten stören mich nicht und auch wenn man Age of Renaissance in 3 Stunden spielen kann, werden die ersten zarten Versuche dieses Spiel zu spielen 6 und mehr Stunden dauern und es wird ggf. sogar abgebrochen. Das Spiel ist weder geradlinig, noch regeltechnisch einfach gehalten. Es gilt also zum einen erstmal zu lernen die Regeln vollständig zu beherrschen und das Spiel auch entsprechend zu meistern, denn Fehler verzeiht das Spiel kaum. Zwar ist im ersten Drittel des Spiels nicht alles entschieden, doch kann man als unerfahrener Spieler durchaus Fehler machen, die so schlimm sind, dass man jeglichen Spaß am Spiel verlieren kann. Während Civilisation (1980, Francis Tresham – Age of Renaissance wird hier gerne mit verglichen) regeltechnisch viel einfacher ist und die Spieler gerade am Spielstart durch die wenigen Optionen, die sie haben, in das Spiel einführt, ohne dass man viel falsch machen kann, ist das Wasser bei Age of Renaissance doch sehr kalt. Dazu kann das Spiel böse sein, sehr böse. Das muss man verdauen und akzeptieren und keinesfalls auf die Mitspieler projizieren. Es gibt Karten, die sind übel und die kommen ins Spiel (außer man entfernt sie vor Spielbeginn) und die haben auch das Potential Freundschaften auf die Probe zu stellen. Es ist aber weniger das Verschulden der Spieler, als das des Spiels. Die Pest bricht aus, ohne wenn und aber, nur wann liegt im Ermessen der Mitspieler.

Hat man das Regelwerk gemeistert und findet man genügend Gleichgesinnte, wird man mit einem epischen Spielerlebnis belohnt, was emotionale Höhen und Tiefen hat, spannend von Anfang bis Ende ist und bei mir immer wieder ein „Wow“-Gefühl auslöst. Es ist ein Spiel wo es am Ende völlig egal ist, ob man gewonnen hat oder ob man letzter geworden ist, alleine das Erlebnis sind alle „Strapazen“ Wert. Das Spiel erzählt eine Geschichte und jeder Mitspieler gestaltet diese mit und ist auch Teil davon.

Freunde von epischen Brettspielen, abendfüllend, fordernd und kompetitiv kommen eigentlich nicht an diesem Meisterwerk vorbei. Ohne Frage für mich eins der besten Spiele die es überhaupt gibt. Spiele mit so einem hohen Anspruch verkaufen sich nicht wie geschnitten Brot, so dass es leider seit 1999 keine Neuauflage mehr gab, deshalb man auf dem Sekundärmarkt teilweise stolze Preise dafür bezahlen muss. Wieder ein Beleg dafür das die Theorie „gute Spiele werden immer wieder neu aufgelegt“ nicht zutrifft.

Externe Quellen / Links:

Attila

Über Attila

Ich Spiele alles. Von Kinderspielen über Euro-Games, jeder Komplexität, bis hin zu CoSim's. Potentiell gibt es kein Genre, was ich nicht spiele - das Spiel muss halt für mich in der entsprechenden Gruppe einen Reiz haben. Ich mag's gerne, wenn es was länger dauert und auch etwas komplizierter ist. Wenn nicht, auch gut.
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