Schüler Projekt: Escape Room selber erstellen

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Als uns im März mitgeteilt wurde, dass wir endlich mal wieder Projekttage an meiner Schule veranstalten werden, war für mich klar, dass ich versuchen würde mit Schülern einen eigenen Escape Room aufzubauen.

Die ersten Fragen, die geklärt werden mussten waren, wo der Raum hin sollte, für welche Altersklasse biete ich das Projekt an und wer unterstützt mich. Das Jugendkulturzentrum Bernkastel-Kues, in dem ich auch alle meine Spielveranstaltungen veranstalte, konnte mir einen solchen Raum bieten. Dazu die perfekten Räumlichkeiten für die Umsetzung des Projektes: Eine Werkstatt und viele Möglichkeiten sich zurück zu ziehen, dazu die ganzen Materialien, die dort rumliegen. Unterstützung war in Form einiger meiner Ex Schüler aus dem Brettspielkreis zu finden, als Altersstufe legten wir 10.-12. Klasse fest.

Leider waren die Rahmenbedingungen für den Start des Projektes denkbar ungünstig. Das erste und einzige Treffen mit der Projektgruppe war nur eine Woche vorher und auch noch in der Zeit, in der die 11er im Praktikum waren, sodass ich nur die Hälfte meiner Schüler im Planungstreffen hatte. Dort wurde dann auch schnell klar, dass sich einige Schüler noch nie einen Escape Room besucht hatten. Trotzdem war die Themenfindung dann einigermaßen kreativ und wir hatten ein erstes Arbeitsthema: Märchen.

Auf mein Angebot hin den Montag davor in einen professionellen Escape Room zu fahren gab es von einigen Elftklässlern leider keine positive Rückmeldung, naja was erwarte ich auch von Schülern… (Sie mussten den vergünstigten Eintritt selber bezahlen und es war in ihrer Freizeit). Falls ich so ein Projekt erneut anbieten würde, wird das verpfichtend sein. Denn für die Motivation konnte es keinen besseren Start geben, kam doch eigentlich jeder aus dem Raum heraus mit Ideen und großer Lust nun selber kreativ zu werden. Der Titel des Raumes war auch danach schnell gefunden: “Das Autorenzimmer“

Die nächsten 3 Tage waren dem Erstellen des Raumes vorgehalten. Während die ersten Teams schon an der Dekoration und den ersten Rätseln arbeiteten, wurden mit anderen noch Brettspiel Escape Rooms gespielt, damit die Schüler die Chance hatten sich mit dem Thema zu identifizieren. Vor allem die Mädels aus der 10. Klasse und meine etwas motivationslosen 11er wollte ich damit ermuntern Spaß und Freude am Projekt zu entwickeln.

Von der Schule vorgegeben waren die Zeiten 7:50 bis 13 Uhr für die Projekttage. Da mir aber klar war, dass ich mit 15h keinen Raum gebaut bekomme, war vorher schon mit meinem Team abgesprochen, dass wir auf jeden Fall alle Tage länger arbeiten werden. Einige Schüler haben sich auch dazu bereit erklärt.

Am zweiten Tag waren dann alle mit von der Partie und nutzen die tollen Möglichkeiten des Jugendkulturzentrums aus. Die Leiterin zeigte hier das volle Vertrauen in die Jugendlichen und erlaubte ihnen vollen Zugang zur Werkstatt mit allem was darin zu finden war genauso wie zu allem, was die Schüler sonst im Jukuz erstöbern konnten. Damit war der Kreativität kein Limit gesetzt und es konnte eifrig getüftelt und gebaut werden. Ich war wirklich sehr positiv überrascht, dass meine “Gymnasiasten” richtig Lust hatten handwerklich zu arbeiten und so z.B. das Bücherregal für den Raum nicht gesucht, sondern kurzerhand gebaut wurde. Am dritten Tag wurde der Raum hauptsächlich finalisiert, richtig eingeräumt und zum ersten Mal getestet. So konnten Rätsel, die zu schwer waren, geändert und Fehler im System gefunden werden.

Ich hätte nicht gedacht, dass unsere schwierigste Aufgabe bei der Erstellung des Escape Rooms, die zeitliche Komponente sein würde. Denn die Kreativität sich Rätsel auszudenken war sehr hoch, nun aber den Raum auf 60 Minuten zu bringen war doch schwerer als gedacht, da man es nicht selber testen kann…

Den Tag danach stand der große Beta-Test an, den der Raum auch bestens bestanden hat. „Ich hätte nicht gedacht, dass ein selbstgebauter Raum so gut sein kann“, sagte einer der Tester. Danach haben wir noch einiges geändert und eigentlich waren in der folgenden Woche alle Gruppen Beta-Tester, denn es wurde immer wieder weiter am Raum geschraubt.

Der Raum war nun die ganzen Sommerferien geöffnet und wir haben viel positives Feedback bekommen. Über 40 Buchungen haben mich und mein Team die Ferien über beschäftigt, damit haben wir alle nicht wirklich gerechnet. Wir haben uns schlussendlich dafür entschieden den Raum auf Spendenbasis anzubieten, damit sich jeder mal so ein Erlebnis leisten kann.
Inzwischen bieten wir den Raum sogar auf 3 Schwierigkeitsstufen an, damit sowohl die Jüngeren (ab Klasse 5) als auch die Erfahreneren Spaß am Raum haben können.

Wir hoffen, dass wir den Raum auch erstmal weiter offen halten können und sind schon am zweiten Raum dran, mit Bunker Thema.

Fazit: Das Projekt Escape Room ist definitiv ein Erfolg gewesen und würde ich jedem empfehlen, der Lust darauf hat so etwas mal mit einer Gruppe zu entwickeln. Es ist zwar sehr viel Arbeit aber unser Erfolg hat uns Recht gegeben.

Wer mehr zu einzelnen Rätseln oder so wissen möchte kann mich gerne kontaktieren unter missbaybee@diebrettspielexperten.de ich möchte davon öffentlich nicht zu viel verraten.

 

MissBayBee

Über MissBayBee

Vor Jahren wieder zum Spielen gekommen habe ich erst einmal mit leichten Euros begonnen. Inzwischen infiziert vom Brettspielfieber gibt es nur noch wenige Spiele, die ich nicht spiele. Von Euros zu AT bis hin zu CDGs und Cosims. Gerne spiele ich epische und lange Spiele, als Absacker darf es auch mal ein kürzeres Spiel sein. Habe in der Schule eine Brettspiel AG von der 5.-9. Klasse, einen Jugendbrettspieltreff ab der 10. Klasse wöchentlich und einen Erwachsenen Spieleabend einmal im Monat. Dazu spiele ich so viel wie möglich mit den verschiedensten Spielertypen.
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