SdJ im Wandel der Zeiten – Teil 5 [1983] – Scotland Yard

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Eine aktuelle Edition

Die ersten Jahre seit dem SdJ 1979 kann man treffend unter dem Titel „an arduous beginning“ zusammen fassen – zumindest was den deutschen Spielemarkt angeht. 1983 hätte so belanglos wie die vorherigen Jahre werden können, die Spiel des Jahres Jury hat lediglich 4 Spiele auf die Auswahlliste gesetzt und zusätzlich 2 Spiele prämiert. Das ist gerade mal die Hälfte dessen, was man in den Vorjahren gewohnt war. Vermutlich war auch die Jury es überdrüssig in alten Jahrgängen zwanghaft nach Spielen zu suchen, die auch nur ansatzweise auf die Auswahlliste gehören und damit auch gerne mal Spiele auszuwählen, die schon im Vorjahr auf der Liste standen.

Über die 4 Titel auf der Auswahlliste braucht man kaum mehr Worte verlieren, als diese der Vollständigkeit halber zu nennen: „Bärenspiel“, „Der schwarze Prinz“, „Fuzzi, Heinz und Schlendrian“ und „Riombo“ sind allesamt nicht die spielerische Offenbarung weder heute, noch im Jahre 1983. Auch an den Sonderpreis „Wir füttern die kleinen Nilpferde“ kann sich heute, völlig zurecht, kaum jemand mehr erinnern und dem auch damals schon behäbigen Roll & Move Mechanismen kann auch heute kaum jemand etwas abgewinnen. Wäre der Artikel hier zu Ende, wäre das sicherlich das „dunkelste Kapitel“ des SdJ, jedoch ein Geniestreich von einer Reihe von Autoren (BGG listet gleich 6 Autoren für dieses Spiel) rettet nicht nur ganz sicher das Spiel des Jahres 1983, sondern stellt ganz sicher auch die Weichen dafür, dass Gesellschaftsspiele in den kommenden Jahren mehr Akzeptanz in der Masse bekommen. Die Jury liegt mit Scotland Yard goldrichtig, denn auch heute ist das Spiel noch höchst spielenswert und wurde vielfach, im Grunde unverändert, neu aufgelegt. Schaut man sich die Neuerscheinungen 1982/1983 an, sieht man jedoch auch, dass die Jury gar keine andere Wahl hatte. Scotland Yard ist im Grunde das Eine von zwei erwähnenswerte Spielen in diesem Jahr. Take it Easy sollte es erst 1994 in Deutschland auf den Markt kommen.

International gab es auch nur wenige, aber durchaus bemerkenswerte Spiele: Mit Ambush! und Up Front! sind zwei bemerkenswerte Konfliktsimulationen erschienen. Ebenso ist Empire in Arms sicherlich den Fans von Monsterspielen auch heute noch ein Begriff. Auch deswegen, da es 2007 als Computerspiel released wurde.

Unter dem Strich war es mehr Zufall oder Schicksal, das ausgerechnet so ein schwacher Jahrgang wie 1983 einen Wendepunkt in der deutschen Spieleszene darstellt. Die SdJ Jury macht alles richtig und nimmt das einzig mögliche Spiel und packt den „Pöppel“ drauf. Sowohl der SdJ eV wie auch die gesamte Spielebranche wird in den nächsten 10 Jahren hiervon profitieren. Und auch 2018 ist Scotland Yard ein Spiel was noch fasziniert.

Ein weiterer „Zufall“ soll 1983 eine Dynamik in die deutsche Spielelandschaft bringen, welche bis heute anhält: Das erste Mal treffen sich auf den Internationalen Spieletagen in Essen begeisterte Spieler – eine Veranstaltung, die wir heute schlicht als „Spiel“ kennen und wohl nicht wenige von uns fiebern diesem Ereignis Jahr für Jahr entgegen.

Attila

Über Attila

Ich Spiele alles. Von Kinderspielen über Euro-Games, jeder Komplexität, bis hin zu CoSim's. Potentiell gibt es kein Genre, was ich nicht spiele - das Spiel muss halt für mich in der entsprechenden Gruppe einen Reiz haben. Ich mag's gerne, wenn es was länger dauert und auch etwas komplizierter ist. Wenn nicht, auch gut.
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