Strategie vs. Glück

Ein Beitrag im Spielbox-Forum hat mich dazu veranlasst darüber zu sinnieren ob Strategie und Glück Gegensätze sind bzw. ob sie sich gegenseitig „verdrängen“. Je mehr Zufall im Spiel ist, des so weniger Strategie ist möglich und je weniger Zufall im Spiel ist, des so strategischer ist das Spiel. Zumindest trifft man diese These unterschwellig immer wieder an.. Aber auch wenn man sie immer wieder hört oder liesst, ist sie deswegen  denn richtig?

Strategie wird auf Wikipedia.de aktuell so definiert: „Strategie (von altgriechisch strategós „Feldherr, Kommandant“) ist ein längerfristig ausgerichtetes Anstreben eines Ziels unter Berücksichtigung der verfügbaren Mittel und Ressourcen. „.

Auch zum Thema Zufall gibt es natürlich etwas auf Wikipedia.de, was sich als Spruch für den nächsten Stammtisch gut eignet: „Von Zufall spricht man dann, wenn für ein einzelnes Ereignis oder das Zusammentreffen von mehreren Ereignissen keine kausale Erklärung gegeben werden kann.“

Soweit so gut, ich denke damit lässt sich arbeiten. Etwas problematisch ist zwar das „längerfristig“, denn wann genau ist etwas „längerfristig“ und wann nicht mehr? Eine schwierig zu beantwortende Frage, zumindest wenn es dazu auch noch allgemeingültig sein soll. Aber eins nach dem anderen. Auf dieser Grundlage haben Strategie und Zufall erstmal nichts miteinander zu tun. Zufall sind Ereignisse, wo das Ergebnis nicht erklärbar ist. Manchen wir ein Gedankenspiel: Ich werfe einen Würfel, dann kann ich nicht erklären wieso ich eine 3 gewürfelt habe, oder eine 6. Und ich kann es auch nicht gezielt reproduzieren. Ziehe ich Karten von einem Kartenstapel, kann ich keinen Erklärung dafür liefern wieso ich gerade die Karten gezogen habe, welche ich habe. Es ist Zufall. Kann ich es erklären und reproduzieren, dann ist es kein Zufall mehr.

Strategie dagegen ist ein Vorgehen etwas bestimmtes zu erreichen. Nehmen wir das Gedankenspiel wieder auf und ich werfe einen Würfel mit schwung in den Würfelteller um eine hohe Zahl zu würfeln, und ganz leicht werfe ich um eine niedrige Zahl zu würfeln. Das mag zwar Unsinn sein, aber es ist eine Strategie. Gemessen an dem Ergebnis keine Gute, aber so gut wie jede andere allemal. Ist dieses Gedankenspiel nun deswegen ein strategisches Spiel? Nehmen wir als Spielziel die höchste Zahl zu würfeln, dann haben die unterschiedlichen Strategien der Spieler (fest würfeln, leicht würfeln, die Luft anhalten beim würfeln, Augen zu, etc …) keinen beweisbaren Einfluss auf das Ergebnis. Und drauf wird es dann wohl ankommt, wenn man davon spricht das ein Spiel „strategisch“ ist oder halt nicht. Das Gedankenspiel „würfle hoch“ ist also kaum strategisch und es ist zu 100% vom Zufall abhängig. Würde die Eingangsthese das Zufall und Strategie sich ausschliessen durchaus unterstützen.

Nehmen wir ein anderes Gedankenspiel, eins was jeder kennt: Tic-Tac-Toe. Drei in einer Reihe auf einem 3×3 Plan. Hier gibt es keinen Zufall (max. die Bestimmung des Startspielers) und doch spricht man kaum von einem Strategiespiel. Denn es gibt eine Strategie, die alles bestimmend ist und zwangsläufig zu einem Remis führt. Und die findet wohl jeder Spieler schnell und ohne Hilfe. Kann man hier von einem strategischem Spiel sprechen? Wohl kaum. Aber wieso nicht?

Beide Gedankenspiele sind trivial: Das Würfelduell ist reiner Zufall, während Tic-Tac-Toe auch von einem normalen Menschen leicht vollständig ausrechenbar und somit vorherbestimmt ist. Nichts davon hat etwas mit Strategie oder strategischen Entscheidungen zu tun. Ohne das wir nun wissen, woran man konkret festmachen kann wann ein Spiel strategisch ist und wann eher nicht, wissen wir aber immerhin das es nicht direkt damit zu tun haben kann ob das Spiel Zufallselemente enthält oder nicht. In beiden Spielen gibt es verschiedene Strategien – zweifelsohne, aber diese haben letztendlich keinen Einfluss darauf wie das Spiel ausgeht oder führen zwangsläufig immer zum selben Ergebnis. Ein „Strategiespiel“ muss sich also an etwas anderem festmachen lassen. Dem werde ich dann in einem nächsten Artikel versuchen näher zu kommen, aber bis hier hin können wir festhalten: Glück schliesst Strategie nicht aus und umgekehrt.

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Über Attila

Ich Spiele alles. Von Kinderspielen über Euro-Games, jeder Komplexität, bis hin zu CoSim's. Potentiell gibt es kein Genre, was ich nicht spiele - das Spiel muss halt für mich in der entsprechenden Gruppe einen Reiz haben. Ich mag's gerne, wenn es was länger dauert und auch etwas komplizierter ist. Wenn nicht, auch gut.
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